Erste Region Österreichs tritt dem Konvent der Bürgermeister bei

KEM-Manager beim jährlichen Schulungstreffen in Baden im November 2013
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Mit Beginn des Jahres 2014 ist das Waldviertler Kernland als erste Klima- und Energiemodellregion (KEM) geschlossen der Europäischen Klimaschutzinitiative Konvent der Bürgermeister (CoM) beigetreten. Die 13 Gemeinden des Waldviertler Kernlands verpflichten sich bis 2020 mindestens 20% ihres Energieverbrauchs einzusparen und einen gemeinsamen Aktionsplan für nachhaltige Energie zu entwickeln.

Von KEM zum CoM – eine Erfolgsstory

Im Jahr 2010 ist die Region Waldviertler Kernland, bestehend aus 13 ländlichen Gemeinden mit ca. 13.500 Einwohnern, der österreichischen Klimaschutzinitiative Klima und Modellregionen (KEM) beigetreten. Dieses national geförderte Programm unterstützt ländliche Regionen bei ihrem Weg in die Energieautonomie, was bedeutet, dass sich die KEM in einigen Jahrzehnten (2030 bis 2050) selbst mit eigener erneuerbarer Energie aus der Region in den Bereichen Strom, Wärme und Mobilität versorgen sollen. Das Waldviertler Kernland wurde ausgewählt, um als einzige Region Österreichs am Europäischen Projekt „100% Erneuerbare Energie im ländlichen Raum“ teilzunehmen.

The mayors and municipal council members of the CEMR “Waldviertler Kernland”

The mayors and municipal council members of the CEMR “Waldviertler Kernland”

BürgermeisterInnen und Gemeinderäte des Waldviertler Kernland

Um die Energiestrategie der Region weiter zu entwickeln, Projekte und Maßnahmen schneller umzusetzen, sind die Gemeinden des Waldviertler Kernland sukzessive bis Jänner 2014 dem Konvent der Bürgermeister, der erfolgreichen Europäischen Klimaschutzinitiative beigetreten. „Mit der Verpflichtung bis 2020 20% unseres Energieverbrauchs einzusparen, kommen wir unserem ambitionierten Ziel bis 2030 energieautonom zu werden, einen wichtigen Schritt näher. Derzeit beziehen wir etwa 36% unserer gesamten Energie aus erneuerbaren Energiequellen, betont Dieter Holzer, Obmann der Region.

„Durch die Umsetzung des Aktionsplan für nachhaltige Energie des Konvent der Bürgermeister mit einer Vielzahl von Maßnahmen erwarten wir uns eine deutliche Beschleunigung beim Ausbau der Windkraft, Biomasse-Nahwärme und PV-Anlagen sowie Einsparungen im Energieverbrauch bei Gemeindegebäuden, Straßenbeleuchtung und privaten Häusern“, führt Modellregionsmanager Thomas Waldhans weiter aus. 

Weitere Vorteile durch den Beitritt zum CoM:

  • Professionelle Unterstützung bei Erstellung der CO2-Basis-Emmissionsbilanz und des Aktionsplans für nachhaltige Energie durch Klimabündnis Österreich und Energieagentur der Regionen
  • Erfolge des Waldviertler Kernland werden auch auf Europäischer Ebene sichtbar
  • Region kann sich mit anderen Regionen in Europa austauschen und messen
  • Alle 2 Jahre wird ein Fortschrittsbericht mit Energiemonitoring fällig, um den Fortschritt in den einzelnen Sektoren zu erkennen und falls notwendig, neue Maßnahmen zu setzen
  • Durch verpflichtende Gemeinderatsbeschlüsse haben sich alle Gemeinden der Region zur CO2-Reduktion von mindestens 20% entschlossen
  • Viele bestehende Synergien können genützt werden (Energiebilanz, Umsetzungskonzept, Energieteam von der Klima- und Energiemodellregion)

Wir vom Klimabündnis sind überzeugt, dass viele Klima- und Energiemodellregionen in Österreich durch die Erstellung der Energiestrategie, der Maßnahmenkataloge und den Vorstand der Region (Obmann, Manager, BürgermeisterInnen, Energiebeauftragte) über hervorragende Voraussetzungen verfügen, um in naher Zukunft dem Konvent der Bürgermeister beizutreten. Wir unterstützen sie beim Beitrittsprozess und bei der Erstellung ihres Aktionsplans für nachhaltige Energie“, fasst Georg Priesner vom Klimabündnis zusammen.

Mayors of CEMR “Waldviertler Kernland” at a workshop

Mayors of CEMR “Waldviertler Kernland” at a workshop

BürgermeisterInnen vom Waldviertler Kernland bei einem Energie-Workshop

Von regionaler Ebene zur nationalen Ebene – der erfolgreiche Bottom-Up Ansatz der KEM

Nach einem Regierungsbeschluss soll Österreich langfristig bis 2050 energieautark werden. Um dieses ambitionierte Ziel erreichen zu können, wurde 2009 das Programm KEM mit 35 Modellregionen gegründet. Heuer gibt es bereits 112 KEM mit 1.186 Gemeinden und 2,7 Millionen Einwohnern. Einerseits durch Förderung der eigenen Ressourcen, Steigerung der Energieeffizienz, vermehrtes Energiesparen, Ausbau der erneuerbaren Energien und andererseits durch Aufbau von Managementstrukturen, professionelle Schulungen, Berichtswesen und Energieverbrauchs-Monitoring sollen die Energieautonomie der KEM erreicht werden.

Erfolgsfaktoren

Als Erfolgsfaktoren für eine erfolgreiche Umsetzung wurden folgende drei Faktoren definiert:

1) Ein Umsetzungskonzept oder Energiestrategie: Diese Strategie untersucht die Ist-Situation, setzt Ziele mit Zwischenzielen, identifiziert Potentiale und knüpft ein sehr konkretes Maßnahmenpaket. Es ist wichtig, dass die Region nicht zu groß ist. Maximal 60.000 Einwohner haben sich als ideal erwiesen. 

2) Eine treibende Kraft vor Ort: Der Erfolg einer Modellregionen hängt sehr oft an einer einzelnen Person, die ständig die Umsetzung von Projekten aus dem Maßnahmenplan vorantreibt – dem Manager. Dieser Experte ist auch die Ansprechperson für die Stakeholder der Region. 

3) Einbindung der Region in den Entwicklungsprozess: Durch die Einbindung von Stakeholdern, der regionalen Wirtschaft, der Politik und der Bevölkerung wird nicht nur regionales Bewusstsein geschaffen, sondern auch die Entwicklung der nachhaltigen Energie in der Region verankert. Die Ko-Finanzierung durch die Gemeinden ist dabei ein wichtiger Faktor.

Das Förderprogramm „Klima- und Energie-Modellregionen“ besteht aus 3 Phasen

Phase 1: Entwicklung eines Umsetzungskonzepts (Energiestrategie) mit vorgegebenen Mindestvoraussetzungen unter Einbindung wesentlicher Stakeholder. 

Phase 2: Ein/eine Modellregionsmanager wird für 2 Jahre finanziell und durch Know-How-Aufbau unterstützt. Der/die ModellregionsmanagerIn kümmert sich um die konkrete Umsetzung der Projekte und um Bewusstseinsbildung in der Region. 

Phase 3: Der Klima- und Energiefonds unterstützt die Klima- und Energie-Modellregionen mit exklusiven Investitionsförderungen für Projekte im Bereich Erneuerbare Energien und Energieeffizienz.

Unterstützende Maßnahmen 

Vernetzung und Schulung: Mindestens 2 Mal jährlich treffen sich alle ModellregionsmanagerInnen Österreichs zu einem 2-tägigen Schulungs- und Vernetzungstreffen. Die ManagerInnen werden zu relevanten Themen geschult, aber auch der Know-How-Transfer unter den Regionen wird intensiv betrieben. 

Energiemonitoring: Jede Region muss ein Energiekennzahlenmonitoring (Verbrauch und Erzeugung) durchführen. Durch diese Verpflichtung entsteht erstens ein hohes Problembewusstsein und zweitens ist das Monitoring eine Notwendigkeit, um Erfolge direkt darzustellen zu können.

CEMR Managers at one of their two annual  meetings (November 2013)

CEMR Managers at one of their two annual meetings (November 2013)

Jahrestreffen der KEM-ManagerInnen im November 2013

Mit der KEM-Initiative haben wir bewusst den Bottom-Up-Ansatz gewählt  – die Regionen entwickeln selbst ihren eigenen Weg Richtung Senkung des Energieverbrauchs und Steigerung des Einsatz von erneuerbarer Energie. Vorteile dieses Ansatzes sind die höhere Identifikation der Bevölkerung durch die hohe Partizipation, sowie die Möglichkeit der Fokussierung auf die Stärken der Region bezüglich der thematischen Ausrichtung. Als wichtiger Nebeneffekt steigt die Wertschöpfung in der Region, es werden neue Arbeitsplätze geschaffen und die Regionen mit neuem Leben erfüllt“, so Ingmar Höbarth, Geschäftsführer des Klima- und Energiefonds, welcher die KEM finanziell unterstützt.