Joint SEAP in Belgien: Zwei Herangehensweisen im Vergleich

Joint SEAP in Belgien: Zwei Herangehensweisen im Vergleich
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Die Umsetzung von Joint SEAPs (regionale Aktionspläne zur Förderung erneuerbarer Energien) im Rahmen des Konvents der BürgermeisterInnen zählt zu den Zielen des Projekts der 100%-EE-Regionen. In Belgien haben zwei Gemeinden diese Herausforderung durch sehr unterschiedliche Herangehensweisen gemeistert.

Joint SEAP  ̶ besonders geeignet für kleine Gemeinden

Bei einem Joint SEAP schließen sich benachbarte Gemeinden zusammen und arbeiten an einem gemeinsamen Aktionsplan zur Förderung erneuerbarer Energien auf ihrem Territorium. Dazu entwickeln die Gemeinden eine gemeinsame Vision, ermitteln die Energiebilanz ihres Territoriums und definieren einen Maßnahmenkatalog, der sowohl Projekte auf lokaler als auch auf territorialer Ebene beinhaltet.

In der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit zwischen einzelnen Gemeinden lassen sich SEAPs einfacher entwickeln, umsetzen und deren Fortschritte evaluieren, da Ressourcen gebündelt und erforderliche Mittel geteilt werden können.

Für viele kleine Gemeinden stellt die Energiewende hinsichtlich personeller und finanzieller Ressourcen eine große Herausforderung dar. Überdies können konkrete Projekte zur Förderung der Energieeffizienz und eneuerbaren Energien oft nur dann wirtschaftlich erfolgreich umgesetzt werden, wenn sich diese auf größere Territorien beziehen. Auch die geographische Lage sowie die Beschaffung von Fördermitteln spielen eine wichtige Rolle.

Individuell oder kollektiv: zwei mögliche Optionen für Joint SEAPs?

Der Konvent der BürgermeisterInnen bietet zwei Optionen der Zusammenarbeit zur Entwicklung eines Joint SEAPs.

Option 1: Jedes unterzeichende Mitglied der Gruppe verpflichtet sich auf individueller Ebene zur Reduktion von CO2-Emissionen um mindestens 20 % bis 2020 und muss daher einen eigenen SEAP entwickeln. Dieser SEAP kann sowohl individuelle als auch kollektive Maßnahmen umfassen. Daraus resultierende Einsparungen von Energiekosten sowie der Output aus erneuerbaren Energiequellen und die Reduktion von CO2-Emissionen sind unter den Gemeinden, die sich zur gemeinsamen Umsetzung dieser Maßnahmen verpflichtet haben, aufzuteilen.

Option 2: Die Gruppe der Unterzeichnenden verpflichtet sich gemeinsam zur Reduktion von CO2-Emissionen um mindestens 20 % bis 2020. In diesem Fall wird lediglich ein gemeinsames SEAP-Dokument von der Gruppe entwickelt, das sowohl individuelle als auch kollektive Maßnahmen beinhalten kann (zumindest eine Maßnahme auf kollektiver Ebene sollte getroffen werden).

Die Provinz Luxemburg als Koordinatorin (Option 1)

Als Koordinatorin auf territorialer Ebene unterstützt die Provinz Luxemburg die Mitgliedsgemeinden des Konvents bei der Umsetzung ihrer Ziele: Aufstellung einer Energiebilanz für jede Gemeinde, Entwicklung und Evaluierung von Projektplanungs- und Follow-up-Tools, Organisation von Workshops, Schaffung eines gemeinsamen Handlungsrahmens, Umsetzung gemeinsamer Energieeffizienz und EE-Projekte sowie Entwicklung eines gemeinsamen SEAP-Dokuments.

Der Aufbau einer gemeindeeigenen Expertise sowie die Mobilisierung lokaler StakeholderInnen von Beginn an sind Vorteile, die dieser regional koordinierte Zugang bietet. Außerdem werden durch eine gemeinsame Vision und Strategie auch die Identifikation mit den Projektzielen sowie ein Gefühl der Eigenverantwortlichkeit gefördert.

Dennoch stellt sich bei dieser Herangehensweise die Frage, ob denn einzelne Gemeinden nicht auch die Kapazitäten hätten, selbst ausreichend Personal für lokale und somit einzigartige Innovationen zur Verfügung zu stellen.

Wallonie Picarde: Gemeinsames Engagement der Gemeinden, koordiniert von einer regionalen Agentur (Option 2)

Als territoriale Koordinatorin für die Konventsmitglieder der Region Wallonie Picarde (23 Gemeinden) hat die Agentur für wirtschaftlichen Entwicklung (IDETA) einen Joint SEAP mit 10 Vorreitergemeinden entwickelt. Dieser Joint SEAP basiert auf einer gemeinsamen Energiebilanz, einem Beurteilungskatalog zur Messung von Energieffizienz-Parametern und auf der Ermittlung von EE-Potenzialen. Mit einem Planungstool wurden mehrere Szenarien simuliert und analysiert. In einem Portfolio wurden schließlich alle von IDETA umgesetzten Maßnahmen auf territorialer Ebene sowie lokale Maßnahmen auf Ebene einzelner Gemeinden erfasst.

Durch diese Herangehensweise konnte auf effektive Weise ein operationeller Aktionsplan, der fortlaufend von einer territorialen Struktur koordiniert wurde, entwickelt und umgesetzt werden. Die Koordination durch IDETA entlastete die Gemeinden auch hinsichtlich des nötigen technologischen und strategischen Aufwands.

Dennoch scheint diese Methode weniger Möglichkeiten zu bieten, lokale StakeholderInnen (BürgerInnen, Betriebe, Vereine...) von Beginn an einzubinden. Außerdem sollte besonderes Augenmerk auf die aktive Beteiligung der Gemeinden an der Verwirklichung der gemeinsamen Vision und der dazu nötigen Umsetzung konkreter lokaler Projekte gelegt werden.

Viele mögliche Wege, aber gemeinsame Prioritäten

Beide hier beschriebenen Herangehensweisen bieten Vorteile. Die Entscheidung für den einen oder den anderen Weg hängt von den Kompetenzen und Ressourcen der lokalen und regionalen Projektbeteiligten ab.

Ohne gemeinsame Prioritäten  ̶ die bewusste Einbindung von lokalen und territorialen StakeholderInnen, gemeinsame Beschaffung von Fördermitteln und Entwicklung innovativer Konzepte  ̶ können jedoch keine effektiven Aktionspläne mit konkreten Maßnahmen und messbaren Auswirkungen entwickelt werden.