Slowenische Delegation besichtigt EE-Leitprojekte in der Nachbarregion Steiermark

Lunch on the river bank Mura
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Auf Einladung des Slovenski E-forum, des slowenischen Energieforums, besuchte eine Delegation von slowenischen GemeindevertreterInnen und EnergieexpertInnen von 9. bis 11. März 2015 die Südoststeiermark. Der Besuch fand im Rahmen einer Studienreise zum Thema „Erneuerbare Energien und Energieautarkie“, organisiert von Klimabündnis Österreich, statt. Besonders erfreulich: Auch Franc Trček, Abgeordneter des slowenischen Parlaments, nahm an der Studienreise teil.

Tag 1

Ankunftsort der Delegation war die Stadt Mureck. Dort wurden die slowenischen BesucherInnen von Georg Carl Priesner, Projektleiter und Mitarbeiter von Klimabündnis Österreich und seinem Team willkommen geheißen. Eröffnet wurde der erste Abend mit einem Workshop, der unter dem Motto „Wir wollen voneinander lernen“ stattfand. Waltraud Sudy, Bürgermeisterin der Gemeinde Mureck, hielt die Eröffnungsrede. Es folgten die Präsentation zweier slowenischer SEAPs von Projektmitarbeiter Gašper Kleč sowie eine kurze Vorstellung des Gastgebervereins Klimabündnis Österreich durch Mitarbeiter Georg Priesner. Anschließend präsentierte Karl Totter eine kurze Chronologie des Energieparks und Energiekreislaufs Mureck. Dabei skizzierte er die zentrale Entwicklungsschritte, die Mureck auf seinem Weg zur Energieautarkie durch erneuerbare Energien in den letzten Jahren zurückgelegt hat.

Nach einer kurzen Präsentation der österreichischen Initiative Klima- und Energiemodellregionen von Georg Priesner, stellte Regionsmanager Christian Luttenberger eine dieser Modellregionen, genannt „Grünes Band“, und deren Joint SEAP vor. Mit den Klima- und Energiemodellregionen soll Österreichs Ziel von Energieautarkie durch erneuerbare Energien bis 2050 erreicht werden.

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Tag 2

Der zweite Tag der Studienreise begann mit einer geführten Besichtigung des Energieparks Mureck. Murecks Energiepionier Karl Totter führte durch den Energiepark und informierte über dessen Biodieselanlage, Biomasseheizwerk, Biogasanlage, PV-Freiflächen sowie das klimafreundliche Gewächshaus, auf dessen Dach PV-Anlagen installiert wurden und in dem Biogemüse angebaut wird. Besonders interessiert zeigten sich die TeilnehmerInnen an den Daten zur Elektrizitäts- und Wärmeproduktion, an Finanzierungsmodellen sowie BürgerInnenbeteiligungsmodellen an Gebäuden und Freiflächen. Die vom Biomasseheizwerk produzierte Wärmeenergie versorgt das gesamte Gemeindegebiet. Lediglich 20 % dieser Wärmeenergie werden durch den Rohstoff Raps generiert; Befürchtungen, dass ein Großteil der Getreideproduktion für Energiezwecke genützt werden könnte, sind also unbegründet.

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Ein Besuch des Klimaschutzgartens Gosdorf, ein von Klimabündnis Österreich zertifzierter Klimaschutzbetrieb, stand als nächstes am Programm. Hauptzielgruppe dieses geförderten Sozialprojekts sind langzeitarbeitslose Menschen. Projektleiterin Irmtraud Pribas empfing die BesucherInnen und präsentierte eine breite Palette an handgefertigten Produkten und einen wunderschön angelegten Garten, an dessen Gestaltung ortsansässige BürgerInnen beteiligt waren und in dem mehr als 200 unterschiedliche Rosenarten wachsen. Das Mittagessen wurde auf der Terrasse des Restaurants Schiffsmühle, am Ufer der Mur, eingenommen.

Danach stattete die Gruppe der Gemeinde Gabersdorf einen Besuch ab. Gabersdorf ist Mitglied des e5-Netzwerks. Bürgermeister Franz Hierzer stellte seine Gemeinde im Rahmen einer kurzen Präsentation im (aus Holz erbauten) Turnsaal der örtlichen Volksschule vor. Er berichtete vom österreichischen e5-Netzwerk und von den Aktivitäten, die die Gemeinde Gabersdorf zur Erlangung eines dritten „e“ („eee“) umsetzen konnte. Als besonders beeindruckend wurde das familienfreundliche Konzept der Gemeinde wahrgenommen: Gabersdorf bietet Ganztages-Kinderbetreuung im allgemeinen Kindergarten sowie Nachmittagsbetreuung in der Volksschule an. Im Heilpädagogischen Kindergarten Gabersdorf erhalten Kinder mit besonderen Bedürfnissen spezielle Betreuung.

Die Finanzierung von EE-Projekten ist fester Bestandteil des Gemeindebudgets. Zwei große Firmen können im Bedarfsfall bei der Finanzierung unterstützen. Beeindruckend war auch die 5 Hektar große PV-Anlage, die von einem Investor finanziert wurde. In Zukunft sollen PV-Anlagen über BürgerInnenbeteiligungsmodelle stattfinden. Der zweite Tag der Studienreise fand einen gemütlichen Ausklang bei einer Verkostung lokaler Bioweine in Weiz.

Tag 3

Der dritte und letzte Tag der Studienreise begann mit dem Besuch des Energie-Innovations-Zentrums W.E.I.Z. I. Barbara Kulmer, Umweltbeauftragte der Stadt Weiz, führte durch das Zentrum und informierte über Forschungsaktivitäten, BürgerInnenbeteiligungsmodelle und zahlreiche weitere Projekte.

Dank der hohen Wertschöpfung vor Ort durch ansässige Betriebe weist die Stadt Weiz eine sehr niedrige Arbeitslosenrate mit lediglich 3,5 % auf. Überdies ist Weiz die erste Gemeinde der Steiermark, die mit allen 5 „e‘s” („eeeee“) ausgezeichnet wurde.

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Es folgte eine Präsentation der Energiemodellregion Weiz-Gleisdorf durch Iris Absenger-Helmli, Managerin der LEADER-Region Almenland und der Energieregion Weiz-Gleisdorf. Abschließend begrüßte der Bürgermeister der Stadt Weiz, Erwin Eggenreich, sehr herzlich die slowenische Delegation. In einer kurzen Diskussionsrunde konnten die TeilnehmerInnen Fragen stellen und sich über ihre bisherigen Projekte und Erfahrungen austauschen.

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Nächster Programmpunkt war die Besichtigung der Volksschule Weiz, die am EU-Projekt Euronet 50/50 Max – Energiesparen in Schulen und öffentlichen Gebäuden beteiligt ist. Ein innovativer Energiespielplatz aus Holzmaterialien, fordert die SchülerInnen mit einem Parcours aus Koordinationsübungen sowie mathematischen und naturwissenschaftlichen Aufgaben. Eine Schulklasse stellte ihr Projekt zum Thema Energiesparen vor.

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Ein weiterer Höhepunkt war das Vorzeigeprojekt Geminihaus, einem Wohnhaus, das mehr Energie produziert als es verbraucht. Mit seinen flexiblen PV-Installationen, die sich je nach Sonnenstand drehen, ist dieses Gebäude einzigartig.

In der energieautonomen Kläranlage Weiz mit Energie-Schautafeln, die anschließend besichtigt wurde, werden Abwässer sowie PV-Installationen zur Stromproduktion verwendet.

Letzter Ort der Studienreise war die Gemeinde Gleisdorf. Nach einem köstlichen Mittagessen und einem herzlichen Empfang durch Christoph Stark, dem Bürgermeister von Gleisdorf, stattete die Gruppe dem Energiepark Freistritzwerke unter der Führung von Josef Schröttner einen Besuch ab.

Ebenfalls ein von Klimabündnis Österreich zertifizierter Klimaschutzbetrieb, wartet der Energiepark Freistritzwerke mit einem solarunterstützten Biomasse-Heizwerk (mit Fotovoltaik- und solarthermischer Anlage) auf. Weiters präsentierte Josef Schröttner den SEAP Gleisdorf mit umgesetzten und geplanten Energie-Projekten, u.a. eine Speicheranlage für Holzpellets sowie mehrere Elektro-Fahrzeuge.

Während der gesamten Studienreise entspannen sich unter den ExkursionsteilnehmerInnen immer wieder lebhafte Diskussionen über Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Österreich und Slowenien. Neben den beeindruckenden EE-Projekten wurde von den TeilnehmerInnen auch die soziale Komponente der Studienreise positiv hervorgehoben. So konnten viele neue Freundschaften geschlossen werden, die die TeilnehmerInnen als unterstützend bei der Umsetzung von Aktivitäten auf lokaler, regionaler und nationaler Ebene betrachten. Die slowenische Delegation hofft, dass ihre Gemeinden den steirischen EE-Projekten folgen werden, um somit ihr Ziel, 100%-EE-Gemeinden zu werden, erreichen zu können.