Gemeinden übernehmen die Führung in der Energiewende

Die Teilnahmer des Kongress "100% Erneuerbare-Energie-Regionen" in Kassel
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Städte, Gemeinden und Regionen in aller Welt steigen auf 100% erneuerbare Energie um.

Was haben Šentrupert in Slowenien, der Kreis Steinfurt in Deutschland, der Verwaltungsbezirk Fukushima in Japan und East Hampton in den USA gemeinsam? Das kann man heute in Kassel herausfinden! Der weltweit größte Kongress für 100% Erneuerbare-Energie-Regionen präsentiert verschiedene Strategien, wie man 100% erneuerbare Energie erzielen kann. Viele Städte, Regionen und Gemeinden zeigen, dass es technisch und finanziell möglich ist, 100% unserer Energiebedürfnisse aus erneuerbaren Energiequellen zu schöpfen, und dass Bürger, Unternehmen, örtliche Wirtschaft, Regierungen und die Umwelt gleichermaßen davon profitieren können.

Politischen Dialog fördern

Veranstaltet von deENet e.V. und einer Allianz weiterer deutscher Organisationen für erneuerbare Energien, bringt der Kongress Regierungen, regionale Leiter und Experten zusammen, um nun bereits zum fünften Mal Wissen und Erfahrungen zu 100% erneuerbarer Energie auszutauschen. „Hiermit werden verstreute regionale Initiativen zusammengeführt und als einer einheitlichen Bewegung politisches Gewicht verliehen. Es ist wunderbar zu sehen, wie das internationale Interesse an diesem Thema wächst“, sagte Dr. Peter Moser, deENet Kompetenznetzwerk dezentrale Energietechnologien e.V. „Als wir vor fünf Jahren anfingen, hatten wir nur deutsche Teilnehmer. In diesem Jahr haben wir Delegierte aus zehn europäischen Ländern sowie aus Japan, Belarus und den USA.“

Hans-Josef Fell, Botschafter für Global 100% RE („Globale 100% Erneuerbare Energie“) fügte hinzu: „Mitzuerleben, wie die 100%-Erneuerbare-Energie-Bewegung auf der ganzen Welt wächst, ist sehr ermutigend. Diese Pioniere miteinander zu verknüpfen und eine Plattform für persönliches Engagement und politischen Dialog zu schaffen, wird deswegen immer wichtiger.“

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Bild: Hans-Josef Fell, Botschafter für Global 100% RE, regt in dem internationalen Kongressforum dazu an 100% Erneuerbare Energien Akteure weltweit miteinander zu vernetzen. © Fotografin: Alexandra Schiffmann

Europäische Gemeinden steuern 100% erneuerbare Energie an

Ein entscheidendes Instrument, um die internationale Sichtbarkeit von Gemeinden und Regionen zu fördern, ist die Auszeichnung „Europäische 100ee-Region“ (100ee steht für 100% erneuerbare Energie). Sie identifiziert Gemeinden und Regionen, die das politische Ziel verfolgen – getragen von soliden Strategien und Maßnahmen –, 100% erneuerbare Energieversorgung zu erreichen. Teil dieser 100ee-Bewegung in Europa zu sein hilft, regionale Initiativen miteinander in Austausch zu bringen und die gegenseitige Dynamik zu verbinden.

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Bild: Am 11. November 2014 wird das europäische 100%RES Communities-Siegel erstmalig auf dem 100% Erneuerbare Energie-Regionen Kongress in Kassel verliehen. Insgesamt 19 Kandidaten aus acht europäischen Ländern wurden ausgezeichnet. © Fotografin: Alexandra Schiffmann

Zu den ersten Kandidaten, die beim Kongress 100% Erneuerbare-Energie-Regionen in Kassel offiziell die Auszeichnung erhalten, gehören elf Regionen/Gemeinden in Deutschland (Steinfurt, Rhein-Hunsrück-Kreis, Osnabrück, Trier, Rietberg, Bad Hersfeld, Wangen im Allgäu, Saerbeck, Alheim, Wildpoldsried, Flecken Steyerberg) sowie die Region Waldviertler Kernland in Österreich, Le Mené und Beaujolais Vert in Frankreich, Kněžice in der Tschechischen Republik, Šentrupert in Slowenien, Wallonie Picarde in Belgien, Dobbiaco/Toblach in Italien und Dumfries und Galloway in Schottland. Und sie stellen nur die Spitze des Eisbergs dar: eine Vielzahl von weiteren Gemeinden und Regionen in Europa und weltweit begeben sich inzwischen auf den Weg hin zu 100% Erneuerbare Energien. 

100% Erneuerbare Energien-Gemeinden und -Regionen aus Europa, den U.S.A., Japan und Marokko erzählen von ihren Erfolgsgeschichten während des Posterrundgangs.

 

Die wichtigste Lektion, die gelernt wurde, und ein Faktor, den alle Gemeinden, Städte und Regionen teilen, ist der Umstand, dass im Mittelpunkt jeder 100ee-Strategie ein partizipatives Energiesystem stehen muss. Yannick Régnier von CLER, Frankreich, weist darauf hin: “Der Erfolg des Energiewandels hängt von der Beteiligung der Bürger, Gemeinden und Städte ab!“

„Wenn ich all diese großartigen Erfahrungsberichte aus Europa höre, fällt mir auf, dass Regierungen gesamtheitliche politische Rahmenbedingungen schaffen müssen, die es ermöglichen, dass neue Geschäftsmodelle entstehen, und dass es ein hohes Maß an Bürgerbeteiligung geben muss“, sagte Herr Yaemon von Aizu Power in Japan, eine in Fukushima basierte regionale Energieinitiative. Und Gordian Raacke aus East Hampton in den USA fügte hinzu: „Ich bin sehr davon beeindruckt, dass verschiedene Regionen auf aller Welt zeigen, dass wir durch eine gesamte Region hindurch positive Synergien schaffen und eine Dynamik in Gang bringen können, indem einer großen Bandbreite an Interessenvertretern Marktzugang gegeben wird.“

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Bild: Gordian Raacke aus East Hampton in den USA ist beeindruckt von der Vielzahl an Akteuren, die durch Erneuerbare Energien Marktzugang erhalten. © Fotografin: Alexandra Schiffmann

Aus der besten Praktik die beste Politik machen

So inspirierend die Fortschritte sind, findet weltweit der Wechsel zu 100% erneuerbarer Energie immer noch zu langsam statt. Die Maßnahmen, die politische Entscheidungsträger ergriffen haben, stehen in keinem Verhältnis zur Dringlichkeit der Sache, insbesondere, wenn man die heutigen Krisen wie Klimaveränderung, Verlust von Biodiversität, Rohstoffknappheit und Armut bedenkt. Wir müssen aus den besten Praktiken die beste Politik machen, und zwar auf nationaler Ebene. Führende Wissenschaftler vom Intergovernemental Panel on Climate Change (IPCC, Zwischenstaatlicher Ausschuss über Klimaveränderung) haben kürzlich den Entscheidungsträgern der Welt deutlich gemacht, dass wir Emissionen auf null bringen müssen, um zu gewährleisten, dass unsere derzeitige und zukünftige Generationen einen bewohnbaren Planeten haben. Beim Kongress in Kassel haben Kommunalverwaltungen aus aller Welt veranschaulicht, wie das zu erreichen ist. Lasst uns sicherstellen, dass wir auf diesen Erfolg aufbauen und die globale 100ee-Bewegung ausbauen.